Abendkleid 1912 – Cremefarbener Seidenbrokat mit Spitzen- und Kreppdrapierungen von M. E. Humble, Hofschneiderin, aus dem Besitz von Lady Gillman
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Abendkleid von M.E. Humble, 1912 – Cremefarbener Seidenbrokat mit Spitzen- und Crêpe-Drapierungen, Provenienz Lady Gillman
Historischer Kontext & Provenienz
Dieses exquisite Abendkleid aus dem Jahr 1912, gefertigt aus luxuriösem cremefarbenem Seidenbrokat, stammt aus der Garderobe von Lady Gillman (Caroline Grace Elizabeth Rube, 1883–1956). Als Mitglied einer angesehenen Londoner Familie bewegte sich Lady Gillman in Kreisen, in denen raffinierte Abendgarderobe unerlässlich war, und Kleidungsstücke wie dieses spiegeln sowohl ihren gesellschaftlichen Status als auch ihre Wertschätzung für hochwertige Couture wider. Das Kleid gehört den letzten Jahren der edwardianischen Ära an, einer Zeit, in der die Mode weichere Silhouetten, prachtvolle Stoffe und ein anmutiges Zusammenspiel von Spitze, Chiffon und strukturierten Miedern favorisierte. Dass es als einteilige Robe aus einem unverkennbar teuren Textil erhalten geblieben ist, unterstreicht seine Bedeutung als Stück aristokratischer Vorkriegsmode.
Materialien & Handwerkskunst
Die Robe besteht aus cremefarbenem Seidenbrokat, einem Stoff, der wegen seiner Opulenz, seines dezenten Glanzes und seiner Fähigkeit, die Form ohne Steifheit zu halten, ausgewählt wurde. Über dieser Grundlage liegen zarte Seiden-Crêpe-Drapierungen, die für Bewegung und Tiefe sorgen, während sorgfältig applizierte Spitze die Übergänge zwischen Mieder und Rock weicher gestaltet. Das Mieder ist mit seitlichen Stäbchen verstärkt, ein typisches Merkmal der Zeit, das eine geschmeidige, elegante Linie sicherte, ohne den Tragekomfort zu beeinträchtigen. Nach hinten läuft das Kleid in eine kurze, quadratisch geschnittene Schleppe aus, deren Umriss einst von einem Seidenband eingefasst war, das dem nachlaufenden Saum zusätzliche Raffinesse verlieh. Die Kombination aus Brokat, Spitze und Chiffon offenbart eine Schneiderin, die tief mit der luxuriösen, aber unaufdringlichen Ästhetik der Abendmode von 1912 vertraut war.
M. E. Humble – Hofschneiderin, London W. (1891–1905)
Dem Etikett zufolge wurde das Kleid von M. E. Humble gefertigt, einem Unternehmen für Hofschneiderei und Damenschneiderei, das von Mary Elizabeth Hall, geb. Humble, geführt wurde. Mary wurde 1860 in der Nähe von Newcastle upon Tyne in eine Bauernfamilie mit acht Kindern geboren und heiratete 1888 den Handelsvertreter William Watts Hall in Castle Ward, Northumberland. Das Paar zog kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes, Edith, im Jahr 1890 nach London.
Anzeigen beschreiben das Geschäft als Hofschneider und erstklassige Damenschneider, die „originelle und exklusive Modelle“ bei taillierten Kleidern, Mänteln und Umhängen anboten. Es wurden Preise genannt, wobei der Schwerpunkt auf der Erschwinglichkeit für junge Damen lag. Das Unternehmen bot auch Skizzen, Stoffmuster und Kostenvoranschläge für Frauen außerhalb Londons an – eine frühe Form des Couture-Fernabsatzes. Spätere Anzeigen enthielten Pressemeinungen, saisonale Modeangebote, Reisekleidung, Pelzstolas, Mäntel, Empfangskleider, Promenadentoiletten sowie Besuchs- oder Fahrmäntel.
Design & Silhouette
Die Silhouette spiegelt die Eleganz des Übergangs zu den frühen 1910er Jahren wider. Das Mieder ist sanft geformt, weder starr korsettiert noch völlig locker, während der drapierte Chiffon Weichheit und Fließfähigkeit einbringt. Die Schleppe verleiht dem Kleid eine zeremonielle Präsenz und gleicht die Schlichtheit der cremefarbenen Palette mit der Reichhaltigkeit der Materialien aus. Dieses Zusammenspiel von Struktur und Zartheit fängt die Essenz der Vorkriegs-Abendmode ein – gelassen, anmutig und von stiller Opulenz.
Zustand
Das Kleid befindet sich in einem insgesamt guten Zustand, besonders angesichts seines Alters und der Materialien. Es gibt stellenweise lose Fäden, und der Chiffon weist gelegentlich kleine Löcher auf, was für ein solch fragiles Textil typisch ist. Die drapierte Chiffonpartie nahe dem Saum erfordert etwas Aufmerksamkeit, und das Seidenband entlang des Schleppenrands hat im Laufe der Zeit Risse bekommen. Die Spitze ist intakt und bewahrt ihren ursprünglichen Charme; nur in der Nähe des Halsverschlusses sind einige lose Fäden zu sehen. Diese Gebrauchsspuren sind bei einem über hundert Jahre alten Kleidungsstück völlig konsistent und mindern weder seinen historischen noch seinen ästhetischen Wert.
Maße
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Taille: ca. 85 cm
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Brustumfang: ca. 100 cm
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Länge vorne: ca. 150 cm
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Länge hinten: ca. 185 cm
Sammlerwert
Als dokumentiertes Stück aus der Garderobe von Lady Gillman bietet diese Robe einen seltenen Einblick in die Abendmode der britischen Oberschicht am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Ihre handwerkliche Verarbeitung, die Materialien und die Provenienz machen sie zu einer außergewöhnlichen Wahl für Sammler von edwardianischer Abendmode, historischen Textilien und museumswürdigen Kleidungsstücken. Sie ist ein Zeugnis für die Eleganz und Kunstfertigkeit der Couture des frühen 20. Jahrhunderts.